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Politik

Transrapidunfall - Hysterie 3

Und der Transrapid-Unfall ist für mich der Hysterie-Hype überhaupt gewesen seit letztem Samstag Woche. Allein die Überschrift am Tag nach dem Unfall bei web.de hat mich schon auf die dem Unglück folgende Medien-Hysterie vorbereitet.

Transrapid-Unglück - Kanzlerin Merkel vor Ort


Das sagt alles. Natürlich ist ein Unfall immer schlimm, aber den Leuten wird immer eingeredet, dass solche Dinge außergewöhnlich und besonders sind. Sind sie nicht. Wie sagt einer meiner besten Freunde immer:

Verluste gibt's immer!


So ist das und warum sollte das für den Transrapid anders sein? Menschliches Versagen gibt's auch immer und so ist das halt. Deswegen jetzt in dem Ausmaß über die Sicherheit des Transrapid zu diskutieren, wie das geschieht und geschehen ist, halte ich für maßlos überzogen. Da würde es sich mehr lohnen, so aufgeregt und intensiv über die Gesundheitsreform zu diskutieren! Oder darüber, wie sich unser Leben in Deutschland Schrittchen für Schrittchen entfernt vom Ideal, das Väter des Grundgesetzes nach dem zweiten Weltkrieg für uns geschaffen haben. Also Schluss jetzt mit 'Transrapid-Unglück'.

Wenn man über irgendwas in Verbindung mit diesem Zug diskutieren sollte, dann darüber, wie es sein kann, dass das Projekt jahrzehntelang vom Steuerzahler mitfinanziert wurde und jetzt aber die Industriepartner Siemens bzw. ThyssenKrupp androhen, die Entwicklung bei einer Entscheidung gegen den Bau der Münchner Transrapidstrecke einfach an China zu verscherbeln.

***
abgelegt unter Politik
28.9.06 18:24


Bahnnetz bleibt bei Bund & geht nicht an die Börse - sehr gut

Gestern mit Freude morgens die Meldung gelesen, dass der Börsengang der Deutschen Bahn AG nicht so klappt, wie sich das deren momentaner Chef Helmut Mehdorn so vorgestellt hat. Offensichtlich hat jemand in den betroffenen Ämtern und Behörden mit Schreck die Parallele zur Privatisierung auf dem Strommarkt erkannt und die richtigen Schlüsse gezogen; nämlich dass unter anderem bei der Privatisierung der Deutschen Bahn, das Schienennetz nicht bei dem neuen börsennotierten Unternehmen Deutschen Bahn AG verbleiben sollte.

Dann würde sich vermutlich in etwa der gleiche Effekt einstellen, wie man ihn sehr schön auf dem Strommarkt beobachten kann: die grossen ehemalige Staatskonzerne halten das entsprechende Netz (oder die Netze) und verlangen so hohe Nutzungsgebühren von den netzlosen privaten Konkurrenten, dass diese keine wirkliche Konkurrenz sein können und ein echter Wettbewerb gar nicht erst oder nur sehr schwer entsteht. Ähnliches kann man übrigens bislang z.B. auch über den Sektor der Breitbandnetze sagen, wo die Telekom mit ihren DSL-Netzgebühren ihre Konkurrenten (noch) schön klein hält.

Schön, dass es bei der Bahn nicht so geklappt hatgelaufen ist. Ein bisschen Wettbewerb täte der Bahn nämlich nicht schlecht. Wer die vollen Regionalzüge sieht, die die Pendler täglich erdulden müssen, wer die Verspätungen miterlebt, die einen den letzten Nerv kosten, wenn man den Anschlusszug verpasst und den Feierabend auf dem Bahnsteig verbringt, der wünscht sich ein paar scharfe Konkurrenten. Die könnten dann der DB AG hinsichtlich Kundenorientierung endlich mal ein bisschen Feuer unterm Hintern machen. Und damit so etwas funktioniert, ist ein unabhängig geführtes Schienennetz in meinen Augen eine Grundvorraussetzung.

Hoffen wir das Beste und vielleicht kann man sich ja bald auf ein ähnlich breites Angebot für Transport und Reisen auf Schienen freuen, wie dies in der Luft schon exisiert. Ich stelle mir das dann so vor, dass man z.B. in einem älteren, weniger komfortablen, aber trotzdem pünklichen und eben günstigen Zug für 20 Euro von Stuttgart nach Hamburg kommt und zurück. Ich bin gespannt.

___
abgelegt unter Politik
31.8.06 12:38


Lotto-Monopol fällt und mich freut es ungemein

Die gestrige Nachricht, dass das Lotto-Monopol fällt wenn es nach dem Bundeskartellamt geht, hat mich sehr gefreut. Nachdem ich ja schon hier, hier und hier darüber geschrieben habe, warum ich diesen heftigen Widerstand von Seiten der Politik gegen das Glücksspielmonopol des Staates scheinheilig und falsch finde, mit der Nachricht von gestern endlich mal was Gutes in Sachen Glücksspiel. Ich finde Glücksspiel zwar scheisse, weil des den Leuten Geld aus der Tasche zieht ohne den meisten wirklich einen Gegenwert zu bieten ausser einer echten Sucht.

Allerdings finde ich es noch blöder wie die Politiker, in deren Budget ein guter Teil des in Deutschland für Glücksspiele ausgegebenen Geldes landet (noch), nicht müde werden zu betonen, dass dem Staat dabei nur das Wohl des Bürgers am Herzen läge. Von Suchtprävention merke ich nämlich nichts. Weder bei Oddset noch bei Lotto noch bei den übrigen Angeboten. Und das hat auch das Bundeskartellamt so gesehen.

Leider habe ich dann heute morgen lesen müssen, dass gegen die vollkommen vernünftige Freigabe des Lottomonopols von Seiten der Politik geklagt werden soll. Wie armselig! Statt zu klagen, sollten sie sich lieber um echte und umfassende Suchtprävention kümmern. Dann bräuchten sie keine Klage.

Hoffentlich fallen auch noch die anderen Monopole im Zusammenhang mit dem Glücksspiel. Vielleicht wacht dann in den entsprechenden Gremien und Behörden jemand auf und baut das Angebot entsprechend so um, dass durch Spielsucht gefährdete Bürger geschützt statt geschröpft werden. Wie z.B. mein Opa - all sein Geld entweder für käuflichen Sex, Alkohol oder Glücksspiel weg - als er starb und auch schon vorher hatte er keinen Pfennig mehr - im Alter von knapp 80 Jahren gingen allerdings der Sex- und der Alkohol-Anteil zu vollständig in Glücksspiel über.

Scheinheilig ist das. Was dagegen tun, anstatt dran zu verdienen - aber so ist das ja mit Kriegsgerät, Alkohol und Zigaretten auch...

*
abgelegt unter Politik
29.8.06 12:23


New York Times über 'Al Qaeda' bzw. Al Qaida

Vorhin habe ich beim Abendessen noch ein paar sehr vernünftige Worte über Al Qaeda / Al Qaida von Scott Shane in der montäglichen 'New York Times'-Beilage der Süddeutschen gelesen.

Wie auch ich es schon eine ganze Weile reichlich übertrieben fand, wie Politiker so ziemlich jeden Anschlag mit nahöstlichem Hintergrund sofort mit dem 'Al Qaida'-Netzwerk in Verbindung bringen, schreibt auch Herr Shane:

Counterterrorism expoerts said that the focus of government officials and the public on Al Qaeda, a term today with deep connotations but elusive meaning, may be misplaced.


Was soviel heisst, wie dass die Politiker und die Öffentlichkeit in Ihrer Fixierung auf Al Qaida falsch liegen könnten. Das fettgedruckte finde ich dabei besonders gut ausgedrückt, denn in der Tat wird der Ausdruck 'Al Qaida' mittlerweile sehr oft verwendet und meist ist dabei gar nicht klar, wer mit dem Begriff überhaupt genau gemeint ist bzw. was unter ihm im Zusammenhang zu verstehen ist.

Ein paar Zeilen weiter steht dann noch ein in meinen Augen wichtiger Punkt in einem Zitat von Ex-CIA-Mitarbeiter Marc S. Sageman:

"We won the war against the old Al Qaeda. But we're not winning against the global social movement that Al Qaeda was part of, [...]."
[New York Times, "Al Qaeda' Power May Now Be More Myth Than Actual Fact", Scott Shane, 2006]


Yep! Dat denk isch auch. Meiner Einschätzung nach haben die verübten, geplanten und auch gescheiterten Bombenanschläge der Zeit nach dem 11. September 2001 meist weniger direkt mit der Organisation Al Qaida zu tun; eher scheint mir von den Anschlägen auf das World Trade Center eine anstachelnde Vorbildfunktion auszugehen. Und so finde ich es äusserst ermüdend, ständig wieder den Namen Al Qaida aus den Worten irgendeines Offiziellen Vertreters aus Politik und Gesellschaft hören zu müssen - auch wenn es bequem und praktisch ist, um dem 'tumben' Volk Schrecken, Furcht bzw. Angst in die Glieder zu treiben, indem man immer das gleiche Schreckgespenst aus dem Keller holt.

....

da fiel mir wieder die treffende Karikatur zu Präsident Bush ein, die im Vorfeld des zweiten Irak-Krieges erschien und die auch zu oben geschriebenen ganz gut passt:

Cartoon with President Bush on connection between Iraq and Al-Qaeda


*
abgelegt unter Politik
21.8.06 22:33


Deutsche Beteiligung an UN-Mission im Libanon

Kanzlerin Angela Merkel hat sich immerhin endlich auch mal zu Wort gemeldet im Fall der deutschen Beteiligung an der UN-Mission im Libanon. Was sie gesagt hat, habe ich mir heute morgen dann im Halbschlaf dann nicht mehr merken können, aber die ganze Sache wird aus deutscher Sicht dann wohl doch nicht so heiss gegessen, wie sie von Außenminister Steinmeier gekocht wurde; es werden keine deutschen Soldaten in den Libanon entsendet - so habe ich das vorhin verstanden. Wer dann die 'Kanonenboote' bedient, die vor der Küste des Libanon patroullieren sollen, da bin ich mir nicht sicher.

Schön, dass unsere Regierung scheinbar doch noch zur Vernunft gekommen ist und eingesehen hat, dass deutsche Soldaten mit Waffen im Konflikt zwischen Israel, dem Libanon, der Hisbollah und den Palästinensern keine gute Idee sind. Israels' Armee hat ja schon ein paarmal bewiesen, dass ihr Kollateralschäden in den Reihen neutraler Helfer im Zweifel recht wurscht sind und wenn man sich nun vorstellt, da wären deutsche Soldaten, die bei Beschuss zurückschiessen... Kein gutes Szenario.

*
abgelegt unter Politik
18.8.06 08:25


Der Nahost-Konflikt und warum Deutschland sich da raushalten sollte

Gestern schrieb Udo Vetter im lawblog, "wenn es mal einen Grund gab [der Sturm, der sich über Deutschland zusammenbraut, wenn ein deutscher Solat einen Israeli erschiesst], Geld in die Hand zu nehmen und sich von seiner weltpolitischen 'Pflicht' loszukaufen, dann diesen".

Und damit hat er vollkommen Recht. Was Herr Steinmeier da gerade verhandelt - heute morgen beim Aufwachen schlaftrunken irgendwas von Bundespolizei des Inneren im Grenzgebiet und Marine (die halte ich für ein Placebo) vor der Küste des Libanon gehört - das steht jeder Vernunft komplett entgegen und ich frage mich allen Ernstes, wie sich die Bundesregierung da hat dazu bereit erklären können.

War es das Interview in der SZ neulich, in dem Ohmer sich eine Deutsche Beteiligung gewünscht hat? (leider den Artikel schon zum Altpapier)

Udo Vetter sieht Unheil aufziehen, ich auch und die Bundesregierung mit Sicherheit auch. Warum sie sich dann so hat (offensichtlich) in die Zange hat nehmen lassen, das weiss ich nicht und die Gründe für die Zusage interessieren mich sehr.
15.8.06 09:47


Weniger Vertrauen in Regierung - U-Punkt von Volker Pispers diese Woche

Heute Morgen sind mir in der heutigen Linkliste im Lawblog zwei Links aufgefallen, die nicht nur auf der Seite fast nebeneinander liegen, sondern auch inhaltlich durchaus etwas miteinander zu tun haben. Auf dem Screenshot unten [Quelle: www.lawblog.de, 10.08.2006] erkennt man schön was ich meine. Einerseits lehnen CDU und SPD anlässlich der anstehenden Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern partnerschaftlich gemeinschaftlich eine Beteiligung am Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung ab. Und andererseits hat laut einem Bericht des Spiegel das Vertrauens in die Arbeit der aktuellen Regierung stark abgenommen.

lawblog - Linkliste - Screenshot


Und da denke ich mir halt: wunderts einen? Nee. Die jetzige grosse Koalition hätte alle Fäden in der Hand, um eine transparente Politik zu verwirklichen - selbst für den Fall, dass die kleinen Oppositionsparteien gegen diese Transparenz sein sollten. Aber das Gegenteil ist der Fall.

- Informationsfreiheitsgesetz -> viele Ausnahmen
- Angst vor Terror schüren und das Ausmass der Datensammlung verschleiern
- 'Otto'-GesetzeAntiterrorgesetze -> statt genauer Prüfung und eventueller Aufhebung der Gesetze soll nun stattdessen lieber die Prüfung aufgehoben werden und die Gesetze weiter ausgeweitet werden
- Arbeit des Bundesnachrichtendienstes -> keine Prüfung, sondern noch schlechter vom Bundestag zu kontrollierende Arbeit
- usw.

Für mich zieht sich das heimliche Gemauschel, der Lobbyismus und die Geheimhaltung wie ein roter Faden durch die Arbeit der aktuellen Regierung und ihrer Vorgänger. Und da wundert sich hoffentlich niemand mehr, dass offenbar viele Bürger das Vertrauen in die Regierungsarbeit verlieren, wenn sie oft Unzutreffendes, Halbwahrheiten oder einfach auch mal gar nichts gesagt bekommen.

Anlässlich zur Aussage der CDU, die meisten Fragen des Wahl-O-Mats seien nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten, habe ich dann gestern in der Diskussion im Heise-Forum hier einen sehr guten Satz gelesen, der ziemlich genau wiedergibt, was ich auch denke:

Das ist doch das lächerlichste Argument, das ich je aus der Politik gehört habe. Was, wenn nicht diese Form der Generalisierungen, betreibt denn die Politk?!
[Anm. d. Autors: Man denke nur an das sinnfreie 'Fernsehduell' anlässlich der Bundestagswahl]

Und was soll denn bittschön der Wähler machen? Er muß ja auch genau ein Kreuz bei bei einer Partei machen - auch wenn er sich vielleicht eine Partei aus 15% CDU, 5% FDP, 40% Grüne, 35% SPD und 5% Linke Liste wünscht.


***

In seinem U-Punkt dieser Woche von Volker Pispers ist dieser wieder einmal brilliant in seiner Verknüpfung von Steuerhinterziehung und Anlagebetrügereien. Klasse :-)
10.8.06 16:09


SZ: München schliesst private Wettbüros

In der heutigen Ausgabe der Süddeutschen ist unter anderem ein kleiner Artikel über die gestrige Schliessung von privaten Münchner Wettbüros [Süddeutsche Zeitung Nr. 182, Seite 31, "Harte Zeiten für die Zocker"].

Wieder einmal ein schönestrauriges Beispiel für die Bigotterie der Politik. Wie soll unsere Gesellschaft moralische Wertmasstäbe entwickeln, wenn sie von ihrer politischen Führung dann in solche Aktionen vorgemacht bekommt, wie Eigennutz über Gemeinwohl dominiert. Nicht dass ich persönlich ein Anhänger des Glücksspiels bin - ab und zu den kostenlosen Millionenklick auf web.de) und das wars. Ich bin sogar sehr gegen Glückspiel, denn ich habe in der eigenen Familie jahrelang das Leid miterlebt, als mein inzwischen gestorbener Opa Mark für Mark seiner Familie verzockt hat - immer in der Hoffnung und dem Bestreben, den 'grossen Coup' zu landen; angesichts von einer Wahrscheinlichkeit von 1:140.000.000 für den Hauptgewinn beim Lotto ein aussichtsloses Vorhaben.

Das Bundesverfassungsgericht hat Ende März entschieden, dass das staatliche Lotteriemonopol nicht im Einklang mit der Verfassung steht, weil die staatlichen Lotteriebetreiber keine ausreichend effektiven Massnahmen ergreifen, um Spielsüchtige und Anwärter auf die Spielsucht ausreichend vor ihrer Schwäche zu schützen. Daher, so das Bundesverfassungsgericht, soll der Bereich Glückspiel neu gesetzlich geregelt werden - bis Ende 2007.

Statt sich jetzt zügig mit der Neuregelung zu befassen, werden aber nun private Wettbüros geschlossen, weil bis Ende 2007 ja noch Zeit ist, die sich nutzen lässt. Nutzen, um ohne ungeliebte private Konkurrenz den Spielsüchtigen zum Vorteil der Staats- und Länderkassen noch so einige Euros aus der Tasche zu ziehen. Statt also mit Hinblick auf das Urteil positive Konsequenzen zu ziehen und sofort geeignete Massnahmen einzuführen, um die Spielsucht zu bekämpfen, werden ersteinmal private Wettbüros geschlossen. Das ist scheinheilig und so durchsichtig, dass es weh tut.
9.8.06 11:19


'Marketing Journalismus' auf dem Vormarsch

Ich kann nicht sagen, dass mich der Inhalt des Artikels über die die Unterwanderung des neutralen Journalismus durch die Macht der Marketing-Agenturen auf Spiegel-Online besonders erschüttert oder überrascht. Erschüttert bin ich schon die ganze Zeit und beobachtet habe ich dieses Phänomen schon seit längerem.

Einen der wichtigsten Absätze in diesem Artikel finde ich folgenden [Quelle]:

Mindestens 40 Prozent der Informationen einer Tageszeitung, schätzen Medienwissenschaftler, stammen bereits von PR-Agenturen oder aus den Marketingzentralen von Unternehmen, Behörden und Verbänden.


Diese Einschätzung teile ich.

[...] In Deutschland stehen 30.000 Politik- und Wirtschaftsjournalisten bereits 15.000 bis 18.000 PR-Leuten gegenüber, schätzt der Leipziger Medienwissenschaftler Michael Haller.


Erschreckend. In vielen Fällen betrifft die verdeckte Plazierung von Marketing-Inhalten in nicht gekennzeichneten redaktionellen Inhalten auch von mir im Allgemeinen geschätzte Medien.

Besonders fällt mir diese Vermischung auf, wenn es sich zum Beispiel um Buch-, Film- oder Computerspielkritiken handelt.

Von einer Kritik erwarte ich eine Auseinandersetzung mit dem Werk. Dies geschieht immer öfter nicht und die Texte scheinen mir wie direkt aus dem Begleittext zur jeweiligen PR-Kampagne abgeschrieben.

Auch die Vorstellung neuer elektronischer Spielzeuge, toller Möbel oder neuer Automobile ist häufig geprägt von einer marktschreierischen Anpreisung der besprochenen Produkte, die die Anforderungen einer wirklichen kritischen Würdigung (geht über die Erklärung einer 'laudatio' hinaus) erfüllen.
3.8.06 14:06


BDI Präsident Thumann & der Atomausstieg

Vorhin in der Süddeutschen Zeitung [Nr.172, vom 28. Juli 2006, Seite 6, "Thumann fordert Abkehr vom Atomausstieg"] ein Artikel über die Forderung des Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V. nach längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke.

Und so wie Herr Thumann da zitiert wird, ist das wieder der gleiche "Nach uns die Sintflut"-Gedanke, den ich jedesmal zu hören bekomme von Befürwortern der Atomenergie.

Herr Thumann wird unter anderem mit dem Satz zitiert, dass "aus Sicht der industriellen Stromverbraucher nicht erkennbar sei, dass andere Technologien in der Lage sind, den Grundlastbedarf zu wettbewerbsfähigen Preisen zu decken."

Natürlich sind das die anderen Technologien zur Stromerzeugung nicht! Denn alle anderen Technologien bringen es mit sich, dass die Belastungen der Umwelt sofort auftreten. Atomkraft ist nur deswegen so billig'wettbewerbsfähig', weil sich weder Erzeuger noch Verbraucher zeitnah zum Verbrauch Gedanken über die Entsorgung des entstehenden Atommülls zu machen brauchen. Müssten die Erzeuger für eine sichere Lagerung für die nächsten paar Tausend Jahre sorgen, dann sähen die Stromrechnungen auch für die industriellen Stromverbraucher ganz anders aus.

Das sollte Herr Thumann kurz bedenken, wenn er von kostengünstigem Strom spricht und nicht vergessen, dass in obigen Zitat zwei entscheidende Worte fehlen: "für sie" - für die industriellen Grossverbraucher ist der Strom kostengünstiger. Für deren Nachfahren aller Voraussicht nach nämlich nicht. Die müssen sich bestenfalls mit darum kümmern, dass das Zeug in den Atommüll-Lagern nicht leckt. Schlimmstenfalls kostet sie das ihre Gesundheit bzw. ihre Heimat - wenn nämlich Strahlung austritt; und das wird dann teurer als Herr Thumann das wahrscheinlich für möglich hält.

Als (noch) Industrienation sollte Deutschland seinen Einfuss geltend machen, um weltweit den Atomausstieg zu forcieren und nicht auch noch selbst weiter zu machen mit dieser gefährlichen Technologie. Ein 'Störfall' und Grossteile der Welt sind mit den Kosten konfrontiert.
28.7.06 13:56


Unredlichkeit - Röttgen, Merz, Ullrich & Co

Irgendwie vermisse ich bei manchen Leuten das Gefühl für das, was redlich ist. Sowohl bei Leuten aus meinem Umfeld, als auch bei Personen des öffentlichen Lebens. [redlich habe ich deswegen gewählt, weil es das Gegenteil einen Widerspruch zwischen Darstellung und Handeln beschreibt]

Friedrich Merz zum Beispiel: da lese ich in der Süddeutschen vom 21.Juli [Nr.166, Seite 4, Heribert Prantl "Der Abgeordnete"], dass Friedrich Merz

  • Vorsitzender der Konzernbeirates der AXA Konzern AG
  • Mitglied des Aufsichtsrates der AXA Versicherung AG
  • Mitglied des Verwaltungsrates der BASF AG
  • Mitglied des Beirates der Commerzbank AG
  • Mitglied des Aufsichtsrates der Deutschen Börse AG
  • Mitglied des Aufsichtsrates der Interseroh AG zur Verwertung von Sekundärrohstoffen
  • Mitglied des Beirates der Möller & Förster KG, Baumärkte-Baustoffe
  • Mitglied des Beirates der Odewald & Compagnie, Gesellschaft für Beteiligungen mbH
  • Mitglied des Aufsichtsrates der Rockwool Beteiligungs GmbH
  • Mitglied des Beirates der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young AG
  • Rechtsanwalt in der Anwaltssozietät Mayer, Brown, Rowe & MAW LLP

    und schliesslich ja auch noch ein bisschen

  • Mitglied des Bundestages der Bundesrepublik Deutschland


    Und da fragt sich nicht nur Heribert Prantl berechtigterweise: Kann der das alles? Gleichzeitig? Wenn nicht, was kann er nicht mehr richtig erfüllen? Wofür bekommt er wieviel Geld? Welche Interessenskonflikte tun sich auf z.B. zwischen seiner Tätigkeit im Finanzausschuss des deutschen Bundestages und seinen (Neben?)-Tätigkeiten für oben aufgeführte diverse Wirtschaftsunternehmen? Für wessen Interessen kämpft Friedrich Merz im Bundestag? Für die seiner vielen Arbeit- und Geldgeber in der Industrie oder für die seiner Wähler? Und warum ist Friedrich Merz dagegen, dem deutschen Steuerzahlung die Gewichtung seiner Interessen mit der Angabe seiner Entlohnung für die Nebentätigkeiten offen zu legen?

    Und dann gibt es da ja noch Norbert Röttgen, mit dessen Weigerung, einen seiner zwei nach Interessenlage sehr gegensätzlichen Jobs aufzugeben, ja zunächst das Ganze zum Glück wieder schön hochkochte; da fand ich auch das Engagement der Bildzeitung sehr löblich.

    Ich hab's satt. Diese Unredlichkeit! Und dass sowas dann natürlich Nachahmer anzieht, ist mir klar. Warum sollte sich der gemeine Bürger zurückhalten beim Steuern hinterziehen, bei Schwarzarbeit, beim Ausloten der Leidensfähigkeit der Haftpflichtversicherung, bei Sozialversicherungsbetrug? Ja warum, wenn es ihm tagtäglich vorgemacht wird von Leuten, die eigentlich Vorbild sein sollten? Klar kann man dann sagen, dass Abgeordnete auch nur Menschen, nicht perfekt und was weiss ich auch immer sind. Aber doch bitte auf seinem Fachgebiet!

    Frau von Leyen hat da im Fach Familienpolitik ganz vernünftige Referenzen - wenn man mal vom unsäglichen Spruch von den "christlichen Werten" absieht, der eine Unverschämtheit gegenüber allen anderen Glaubens- und Geisterrichtungen war. Und Friedrich Merz als Zuständiger für Finanzen - wie wirkt es auf den Staatsbürger, wenn der Finanzbeauftragte der CDU seine eigenen finanziellen Abhängigkeiten nicht offenlegen will und dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht klagt?

    Auf mich wirkt es unredlich. Das ist der grosse Vorwurf, den ich an viele der in aktuelle und vergangene Affären verwickelte Personen habe. In meinen Augen geht es nicht immer nur darum, ob eine Handlung jetzt doch gerade noch legal war. Es geht darum, ob sie redlich ist.

    Und da fallen sie in meinen Augen alle durch: Helmut Kohl mit seinen Schwarzgeldkassen, Jan Ullrich mit der (sehr wahrscheinlichen) Einnahme von Dopingmitteln für bessere Wettkampfergebnisse, Johannes B. Kerner und Reinhold Beckmann mit ihrem der Schleichwerbung verdächtigen Engagement, die Telekommunikationsanbieter mit ihren verklausulierten und verschwurbelten kleingedruckten Sonderbedingungsausnahmen, Peter Hartz unter dem bei VW Millionen Euro für Lustreisen verpulvert wurden während die VW-Mitarbeiter Einschnitte hinnehmen mussten, und so weiter...

    Ich war noch nie in der Situation viel Geld zu haben, aber ich frage mich ehrlich, ob einem da wirklich so vollkommen das Gefühl für den Wert dieses Geldes abhanden kommt; ob man nicht irgendwann sagen kann, wenn man ein unmoralisches Angebot bekommt, dass es jetzt reicht mit dem Geld, das man schon bekommt?

    Wie hat in einem Leserbrief in der Süddeutschen so schön jemand geschrieben: Die Bundestagsabgeordneten werden für einen Vollzeitjob bezahlt, also sollten sie sich ihm auch die volle Zeit widmen; da ist was dran finde ich.

    Und darüber würde ich mich gerne mal mit obigen Kollgen unterhalten.
  • 27.7.06 10:21


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    über mich - about me
    Ich bin 31 Jahre alt, Langzeitstudent, studiere Maschinenbau und habe soeben meine Diplomarbeit begonnen. Ich interessiere mich sehr für schöne & künstlerische Dinge - sei es Design, Malerei, Photographie oder Architektur. Ich zeichne, photographiere und gestalte selbst, wenn auch nicht oft.

    Maschinenbau habe ich eher aus der Erwägung heraus angefangen, dass man als mittelmässiger Künstler wenig bis gar kein Geld, als mittelmässiger Maschinenbauer aber mittelmässig Geld verdient; für Kunst gibt es keine objetiven Kriterien, die einem für eine bestimmte Qualität einen bestimmten Lohn sicherstellen - für Maschinenbau sehr viel eher.

    Auch wenn es sich vielleicht komisch anhört, kommt mir die Anonymität dieses Blogs sehr gelegen, denn sie erlaubt es mir, relativ frei zu schreiben und mit diesem Blog vielleicht einen kleinen Beitrag zum Umdenken auf Gebieten leisten zu können, die mir in unserer Gesellschaft wichtig sind.

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